Speaking to the Ghosts of Kaliyuga
In der Audioserie „Speaking to the Ghosts of Kaliyuga“ verweben sich Reflektionen über kollektive gesellschaftliche Krisen in Klanglandschaften aus Feldaufnahmen urbaner und ländlicher (Arbeits-) Umgebungen. Als Hilfsmittel zur Orientierung in verwirrenden Zeiten biete ich in jeder Folge spezifische somatische Übungen zur Erdung und zur Vertiefung der Körpergeist-Bewusstheit (bodymind awareness) angesichts der vielfältigen Aspekte der brennenden Lage der Menschheit.
Der Ausgangspunkt für meine künstlerische Erforschung des Körperdenkens war 2017 meine gesellschaftliche Beobachtung, dass wir zwar seit langem wissen, wie sehr unsere „westliche“, genauer gesagt die koloniale, patriarchale, herrschende Lebensweise die Erde und all ihre Spezies ausbeutet, und dass wir doch in der Masse unfähig zu sein scheinen, diese Situation zu ändern.
Meine Vermutung auf der Basis empirischer Selbstbeobachtung war, das Wissen und Wollen verkörpert erfahren werden muss, um zu wirken — dass aber die Cartesianische Trennung von Körper und Geist so sehr in unserer erfahrenen Realität verankert ist, dass diese Idee unsere wahrgenommene Realität formt. Sie hält uns auf vielen Wegen (Bildungssystem, Arbeitsbedingungen, Schönheitsideale, etc. pp.) davon ab, unsere Körper mit allen Gefühlen und Bedürfnissen wahrzunehmen, wertzuschätzen und zu feiern. Die ökonomischen Ideologien des Neoliberalismus und des derzeitigen Tech-Feudalismus sind Konzepte, die auf der Cartesianischen Trennung aufbauen, sie aufrechterhalten und so vor allem als Herrschaftsinstrument dienen. Sie sind nicht auf der Basis der materiellen und zyklischen Bedingungen unserer irdischen Realität entstanden, sondern an Schreibtischen und Redepulten von patriarchal privilegierten Individuen, denen sehr offensichtlich mehr daran lag und liegt, die Bequemlichkeit der privilegierten Klassen aufrecht zu erhalten, als die Lebensfähigkeit der Erde und ihrer Bewohner*innen.
Das altindische philosophische Konzept der zyklischen Zeitalter der Welt rahmt als konfrontative Fragestellung diese Audioessays: Was würden die Geister unseres Zeitalters des Niedergangs, der Kriege und Zwietracht, Kaliyuga sagen? Wer sind diese Geister — sind wir das vielleicht selber? Wenn ja, aus welcher Perspektive sprechen wir da — sind wir nach dem zwangsläufigen Zusammenbruch wieder im ersten, im goldenen Zeitalter der Vereinigung angekommen? Und wenn ja, dann wie?
—> Wie entwickelt sich Leben nach dem Tod der patriarchal herrschenden Ökonomie?
In der ersten Folge der work-in-progress Reihe, „rainset“, ergießen sich die Wasser auf vielfältige Weise. Mehrstimmige, klagende Chöre und neu interpretierte Fragmente bekannter Melodien unterbrechen einen Gedankenfluss, der mündet in einer körperlichen Erforschung von Geldströmen als einer Kraft, die die Menschheit verbinden könnte – sie aber derzeit größtenteils spaltet.
April 2026 wurde dieser erste Teil von der neuseeländischen Audio Foundation im Streaming AFM in der Reihe „Unframed Signals“ gehostet, und ist jetzt dort im Archiv zu hören:
https://afm.org.nz/STEPHANIE-HANNA-SPEAKING-TO-THE-GHOSTS-OF-KALIYUGA
Die folgenden Episoden sind in Arbeit…