installation view of plastic packagings at Neukölln Arcaden, May 2026

Das Plastik starrt zurück: Die Aura und das Sonderangebot

In einem leerstehenden Raum in den Berliner Neukölln Arcaden, einem Shopping Mall, der mit fortwährendem Leerstand zu tun hat, ist ein kopf- und armloser, männlich lesbarer Oberkörper monumental aufgebaut auf einem Stapel Styroporkisten auf einem leuchtenden Sockel. In seiner Brust steckt ein Preisetikett mit Strichcode und dem Aufdruck „Narzissen €0,69“. Zwei der Styroporkisten tragen die Aufschrift „aura freshday“ — eine augenzwinkernde Reverenz an Walter Benjamins Überlegungen zur Aura in „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ (1935). 

Dieses Monument der Vergänglichkeit würde, wenn es Kopf und Augen hätte, auf eine Wand blicken, die gefüllt ist mit über 70 gestapelten Plastikkisten vom Gemüsemarkt, die jeweils gefüllt sind mit zum Teil bemalten Plastikverpackungen und anderen Überbleibseln unserer Einweggesellschaft. 

Bei genauerem Hinsehen sind in diesen Kisten Augenpaare, Gesichter und Wesen zu entdecken, und manchmal auch Situationen und mögliche Geschichten. Endlos reproduzierbare Plastikverpackungen sind Endprodukte der fossilen Reste von ehemaligem Leben. Reanimiert werden sie durch Bemalungen und Zusammenstellungen, durch die Fantasie der Künstlerin und auch durch die Aufmerksamkeit der Betrachtenden — manche sprachen von einer Aura der Lebendigkeit.

Seitlich erzählt eine Zusammenstellung aus Videos vom bewegten Vorleben der Verpackungen und Schaukästen im Kaufhausschaufenster an der Donau- Ecke Ganghofer Straße, ganz in der Nähe, zehn Jahre früher.